Nora ist krank. Die Anzeichen sind deutlich. Mit nackten Füssen steht sie in weissen Balettschuhen vor dem Spitaleingang. In der einen Hand hält sie den Infusionsständer, in der anderen die Zigarette. Auf die kann sie nicht verzichten, obwohl sie bleich, mager und zitterig ist. Mit einer Zigarette hat alles angefangen. Vor 54 Jahren in einer Discothek in Las Palmas. Eine erste Zigarette, ein erster Drink und ein erster Freund, der sie zu all dem animiert hat. Doch der Freund war bald weg, aber die Sucht blieb. Und die hat sie wie ein Rucksack durch das Leben geschleppt. In Hamburg hat sie in jungen Jahren die bekannte Ballettschule der Staatsoper besucht und sie war eine der besten. Die Welt stand ihr offen. Die Engagements waren verlockend. Moskau, Berlin, New York, Zürich waren ihre Auftrittsorte. Die Zigarette ist immer mitgekommen. Und bei den vielen rauschenden Festen ist der Alkohol dazugekommen. Doch mit den Jahren wurde der Bretterboden immer glatter, die Sprünge immer weniger elegant und langsam sind die Engagements ausgeblieben. Dernièren wurden häufiger als Premièren. Sie hatte keine Freunde, keine Bekannten, keinen Mann, die sie wieder zurück auf den Erfolgsweg hätte führen können. Und heute ist ihre erste Rolle zur traurigen Wirklichkeit geworden: Der sterbende Schwan.

Der sterbende Schwan

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