Zeichen des Himmels

Klingnau

ES WAR TRAURIG, EINFACH NUR TRAURIG. Es gab keine Gedanken oder Impulse, mit denen man den plötzlichen Tod von Linda einordnen konnte. Das Gefühl war leer und blockiert. Warum Linda? Warum wir? Welche Bestimmung hat Linda aus unserem Familienleben gerissen? Kaum fassbar. Jetzt muss sie doch gerade die Treppe herunterstürmen, jetzt muss sie doch gerade die Türe zuschletzen, jetzt muss sie doch gerade über ihren Vorgesetzten schnöden, jetzt und jetzt und jetzt. Aber es gab kein Jetzt mehr. Die intensiv spürbare Energie, dass sich noch jemand im Haus befindet, die schwächte sich langsam ab. Und doch, manchmal durchströmt mich eine Stimme, die zum Handeln auffordert.

 

So auch an jenem Sonntagmorgen, als uns das Bedürfnis nach Natur unsere Velos auf das Auto laden liess. Vielleicht war es die erwachende Natur, die uns reizte, vielleicht die notwendige Bewegung, vielleicht die willkommene Abwechslung, vielleicht die bewusste Ablenkung, vielleicht aber auch das Bedürfnis nach Normalität. Wie auch immer, zwei Stunden später luden wir unsere Velos beim Bahnhof Brugg vom Autodach. Von Brugg der Aare entlang in Richtung Rhein war das Ziel. Und so radelten wir entlang den Wiesen und den blühenden Sträuchern am Flussufer der Aare. Das Tempo war nicht wichtig, das sanfte Vorwärtskommen verlieh das Gefühl, zu neuen Ufern aufzubrechen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen.

 

Es war Mittagszeit, als sich der kleine Hunger bemerkbar machte. Also hielten auch wir nach einem Rastplatz Ausblick. Einladend muss er sein. Entlang dem Veloweg am Ufer des Klingnauer-Stausee gab es genügend Bänke. Die ersten zwei waren besetzt. Zu jemanden sitzen? Nein, das wollten wir nicht. Die nächste war im Schatten, die nächste mit Müll bedeckt, die nächste mit dem Rücken gegen den See. Warum so anspruchsvoll? Die nächste werden wir nehmen, egal was komme, Hauptsache Bank. Und nach kurzer Zeit kam die Nächste in Sicht. Frei, an der Sonne und mit Blick auf den See. Ideal, wie für uns reserviert! Und sie war für uns bestimmt! Wir trauten unseren Augen kaum, «Linda ich liebe dich!» war da auf der Rücklehne eingeritzt. War es Zufall, dass uns unser Weg vom Stieg in den Kanton Aargau zu dieser Bank führt? Gibt es Zufälle, oder war der Weg vorbestimmt?

 

Wie auch immer, es war für uns klar, in diesem starken Zeichen unsere grenzenlose Verbundenheit mit Linda zu sehen. Seitdem bin ich mir auch nicht mehr so sicher, wie das genau ist mit der Seele und dem Tod. 

MARKUS R-U-F
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