Ja, ich will

Hochzeit St. Wolfgang Hünenberg

ES WAR EIN HERZENSENTSCHEID. Na gut, Entscheid kann man nicht direkt sagen. So wie vieles in meinem Leben ist die Zukunft einfach entstanden, oder gereift, wenn man es philosophisch ausdrücken will. 

 

Blicken wir zurück: 1981, vor vierzig Jahren. Erst die verbindliche Zusage auf eine absehbare Heirat öffnete uns die Türe für eine gemeinsame Wohnung an der Trichtenhausenstrasse 130. Kennenlernen-Verlobung-Hochzeit-Familie war damals die unumstössliche Reihenfolge von jungen Paaren. Es gab noch keine Tradition für überschwänglich inszenierte Heiratsanträge auf Hawai oder dem Eiffelturm «Willst du meine Frau werden?» Auch streute man keine Rosenblätter, zündete keine tausend Kerzen an und überraschte auch nicht unerwartet mit einem geheimnisvollen Geschenk in der Grösse eines Ringes.

Vermutlich war ich ein Langweiler. Aber unser Zusammenkommen war nicht weniger reizvoll. Es waren hundert sehnsüchtig erwartete Begegnungen, hundert kleine, mystische Augen-Blicke, hundert kleine stumme Anträge, die unsere Wege zusammenführten. Plötzlich waren wir auf der gleichen Strasse unterwegs in gleichem Schritt, mit gleicher Absicht und gleichem Ziel. Ein Herz und eine Seele.

 

Und plötzlich war der grosse Tag da. Besser gesagt, der Vormittag. Ich stand da im strahlenden Sonnenschein auf unserem Balkon, eingekleidet in weissem Anzug, weissem Hemd, weisser Krawatte, weissen Schuhen als extravaganter, junger Bräutigam. Mein Herz jubelte in Vorfreude, aber mein Verstand sandte rätselhafte Signale: He, Maege, weisst du, was du tust? Schaffst du das? Eine Familie ernähren? Traust du dich? Es ist ein Entscheid fürs ganze Leben! Es gibt kein Zurück! Ich wollte auch kein Zurück. Es war meine Absicht für immer. Für 30, 40, 50 oder noch mehr Jahre! Die Idee der Lebensabschnittspartner existierte noch nicht. Und Ziele der Selbstverwirklichung ordneten sich uneigennützig dem Gemeinschaftsgedanken einer Familie unter: Family first!

 

Und heute, 40 Jahre später? Unsere damaligen Überzeugungen wirken rückständig, aufgezwungen, eingeengt, fremdbestimmt, überholt und unsexy. Heute definiert sich die Gesellschaft über andere Werte: Freiheit, Selbstbestimmung, Konsum, Wohlstand, Individualität. Zusammenleben in allen Formen, von Alleinerziehend bis Patchwork, alles ist möglich und alles akzeptiert. «First» ist das Wort der Zeit, Solidarität und Gemeinschaft haben das Nachsehen. Alles cool, alles easy. 

Unser gemeinsame Weg hat sich in allen Lebenslagen bewährt: bei Freude, Lust, Glück, Entwicklung, Freizeit, Angst, Trauer und Krankheit. Mein Herz hat mich auf den besten Lebensweg gelotst.

MARKUS R-U-F
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