Urwald trifft Wüste

Swartbergpass Südafrika

EIN GLOBETROTTER BIN ICH NICHT. Nicht dass meine Welt an der Schweizergrenze aufhört, aber in meinen Genen scheint kein Fernweh eingepflanzt. Es reizt mich wenig, rund um den Globus zu jetten, um all die Must‘s des Allgemeinwissens zu besuchen. Aber wenn mich jemand ruft, dann bin ich dabei. Vor allem, wenn uns unser Nachbar während Jahren immer wieder auffordert, ihn in Südafrika zu besuchen. Jules Hartnäckigkeit ist es zu verdanken. Der Trip wurde zu meiner grössten Reise. 9000 Kilometer und 11 Stunden in Richtung Süden zu fliegen und dort im Hochsommer in den Winterkleider auszusteigen, das ist schon ziemlich crazy.

 

Es blieb keine Zeit zum Angewöhnen. Schon die erste Stunde offenbarte Südafrikas Leben pur. Zuerst vorbei an erbärmlichen Townships, dann entlang der wunderbaren Küste, durch bescheidene Dörfer bis ins komfortable Arabella Country Estate, ein riesiges und hermetisch abgeriegeltes Golf-Resort. Dort wohnt Jules. Weiss drinnen, Schwarz draussen. Nicht dass erschreckende Zustände herrschen. Nein, man hat sich nebeneinander arrangiert. Aber bitte schön nach dem immer noch vorherrschenden Vorstellungen: Weiss und reich, schwarz und arm. Und zwischendurch naive Touristen mit Handys und Compact-Cams bewaffnet, die gierig nach klischeehaften Motiven suchen. Dabei gibt es fürs Bildarchiv viel Aufregendes und Wunderbares festzuhalten: Wildnis, Wasser, Wüste, Tiere, Kultur, Essen und vieles mehr. Mein emotionaler Speicher wurde gefordert. Soviele neue und einzigartige Eindrücke in so kurzer Zeit brachte die Aufnahmefähigkeit ziemlich ans Limit. Die Distanzen, die Weite, die unberührten Landstriche und die geografische Grosszügigkeit, das muss man als raumsparender Schweizer erst mal richtig einordnen. Denn Jules hatte ein imponierendes Programm vorbereitet: Franschhoek, das St. Moritz von Südafrika, Piguinen-Ressort, Kapstadt, Markt in Hermanus, Wilderness unser zweites Domizil, Safari ind Oudtshoorn, Straussenfarm, Urwald, der mystische steinreiche Swartbergpass, das Essen in den typischsten und begehrtesten Restaurants und vieles mehr. Lieber Jules, vielen Dank für deine Zeit und die Gastfreundschaft. Wir haben deine Geschichte, deine Herkunft, deine Prägung, deine Werte aus nächster Nähe kennengelernt. Aber auch ein Land, das die Ressentiments zwischen Weiss und Schwarz vermutlich nie ganz begraben kann. Und nach drei Wochen meine fast erschreckende Erkenntnis: man hat sich bereits ein bisschen an die Kluft zwischen Arm und Reich gewohnt.

Typ Farmer
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