Schutzengel

Türlersee Hausen am Albis

GIBT ES SCHUTZENGEL? Schutzengel? Die Meinungen gehen auseinander. Die einen verehren sie als machtvolle, hilfsbereite Himmelswesen. Für andere sind sie Erfindungen der Kirche, Geschäftsideen von dubiosen Esoterikern oder einfach dankbare Gestalten für Kindergeschichten.

 

Und für mich? In meiner katholischen Erziehung war der Schutzengel omnipräsent. Der Schutzengel wacht, der Schutzengel hilft, der Schutzengel ist überall, der Schutzengel sieht alles. Oft habe ich mich umgedreht, ob mein Schutzengel zusieht, bevor ich den Radiergummi meiner Schwester klaute. Meine Vorstellungen formten meinen Schutzengel zu einer kleinen weissen Gestalt mit Flügel, die einem spitzbübisch, tadelnd oder lobend zublickte. Und die Bildchen im Kirchengesangbuch bestätigten dies. Doch mIt zunehmendem Alter verblasste das Bild des Schutzengels.

 

Er tauchte wieder auf, als wir 20 Jahre später unsere eigenen Kinder ins Bett brachten. «Schutzengeli mis Brüderli, tuesch immer für mich sorge, am Abig und Morge.» Man konnte förmlich sehen, was sich hinter den kleinen Gesichter abspielte, bevor sie sich mit ihrem Nuschi in die Nacht verabschiedeten. Das vermenschlichte Bild vom Schutzengel war wieder da. Das beweist auch meine grosse Sammlung mit lieblichen kleinen Schutzengeln.

 

Und heute? Das kindliche Bild vom Schutzengel habe ich abgelegt. Aber ich bin immer noch unschlüssig, wie ich Schutzengel für mich einordnen will. Das nach wie vor starre Engelbild der Kirche ist unglaubwürdig und die unzähligen Internetseiten, die mit Engelkursen, Ritualen, Botschaften oder als Channelmedium das kleine oder grosse Geld zu machen versuchen, die stossen nur ab. Es gibt aber einige weitsichtige Philosophen, die Engel als himmlische, feinstoffliche Energiewesen deuten. Das gefällt mir. 

 

Ich habe meinen Schutzengel gespürt, als ich an jenem Oktobertag aufgedreht und mit aufgedrehtem Radio nach meiner Coaching-Stunde von Mettmenstetten in Richtung Albis fuhr. Eine Tafel 'Kein Vortritt' bremste mich bei der Einfahrt in die Albisstrasse. Eben, kein Vortritt. Links versperrte eine Scheune etwas die Sicht, aber alles gut. Von rechts näherte sich aus grosser Distanz ein Auto. Zeit war genug, um einzubiegen. Ich war noch am Überlegen 'Warten oder Fahren', als ich deutlich eine Stimme hörte: 'Warte, du hast ja genügend Zeit!` Während ich noch so zögerte, raste von links in hohem Tempo ein roter Schatten an mir vorbei und entfernte sich Richtung Hausen. Ich war wie erstarrt. Das Blut stocke in meinen Adern. Wäre ich angefahren, der wäre mit grosser Wucht direkt in meine Seite gerast und hätte mich vermutlich übel zugerichtet. Da wäre jedes Lebenszeichen erloschen. Wer war diese Stimme? Wer hat mich gewarnt? Wer hat mich vor grossem Schaden bewahrt?

 

Heute weiss ich. Ich habe einen Schutzengel. Er heisst Linda. 

MARKUS R-U-F
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