Schreibwerkstätte

Weiterbildungszentrum St. Virgil, Salzburg

SCHREIBEN IST MEINE PASSION. Dass aber Schreiben in meinen Genen verankert ist, wurde mir erst bei meiner Biografiearbeit so richtig bewusst. Mein erstes Werk, eine Familienzeitung, schrieb ich als 15-jähriger in den Sommerferien in Fulpmes. Meine Familie wanderte in den Bergen herum und ich tippte in meinem untergeschossigen Zimmer meine Phantasien in meine graue Hermes. Zwei A4-Blätter war das Ziel. Pünktlich am Abend lagen die Ausgabe bereit. Diese Leidenschaft setzte sich fort mit der Pfadizeitung der Stadt Zug, gefolgt von diversen Lagerzeitungen, einem Kindertheater, Hochzeitszeitungen und ersten Artikel für die lokalen ‚Zuger Nachrichten'. 

 

Bald wurde das Schreiben in meinem Unternehmen zu einer wichtigen Aktivität. Inserate, Broschüren, TV-Spots, Geschäftsberichte, Mitarbeiterzeitungen, Factsheets entstanden auf meiner Tastatur. Oft schrieb ich als Ghostwirter für meine Agentur, da ich glaubte, Kunden akzeptierten nur Texte von hochangesehenen Profis. Das Schreiben von Kundentexte entfacht selten Hochgefühle. Es sind konsturierte Texte, in die jedes Argument, jede Konzeptaussage und jede Kundenmeinung irgendwie einzubauen sind. Das Resultat ist selten gut, aber richtig, weil für alle im Prozess beteiligten Personen in Ordnung.

 

Und immer öfter regte sich in mir das Bedürfnis, mal ohne Vorgaben, Ziele und Besserwisser einen Text zu schreiben. Und plötzlich boten sich viele offene Themen an: der Mann vis-ä-vis im Zug, der unbeholfen 20Min las, die zwei Teenies, die über ihre Kollegin lästerte, das Ehepaar, das minutenlang über das Nachtessen sprach, der Pensionierte, der die Altpapierbündeli vor dem Haus kritisiert, die alte Dame an der Kasse mühsam ihr Kleingeld zusammenraffte und andere mehr.

Es brauchte seine Zeit, bis ich realisierte, dass meine Kurzgeschichten auch für andere lesenwert waren. Und noch länger dauerte es, bis ich mich für eine Schreibwerkstätte in Salzburg bei der bekannten und erfolgreichen Autorin Barbara Pachl-Eberhart anmeldete. Es war erste Mal, mich mit meinen Texte an die Öffentlichkeit zu wagen, mich zu messen mit anderen Autore, meine Texte der Kritik zu stellen.

 

Ich war dort der einzige, der sich mit Kurzgeschichten beschäftigte. Ich kam mir erbärmlich und anfängerhaft vor. Ich stand gegenüber von Menschen, die Romane, Erzählungen, Biografien, Sachbücher, Krimis oder Heimatbücher schreiben wollten und sich ehrgeizige Ziele setzten. Es wurde nicht zum Nachteil. Das Seminar zeigte mir, dass nicht das Werk, sondern das Denken, die Auffassungsgabe, die Kreativität, die Umsetzungsfähigkeit, die Ausdrucksfähigkeit entscheidend waren. Und Barbara war eine Meisterin ihres Faches. Mit Motivationen, Gesprächen, Übungen, aufbauender Kritik kitzelte sie an der Motivation eines jeden. Für jeden hatte sie, selbst beim schrecklichsten Text, ein positives und aufbauendes Wort übrig. 

 

In den abendlichen, lockeren Tischgesprächen wurde schnell klar, dass sich Jedermann und Jederfrau mit Bammel und Nervosität vor der Abschlussarbeit fürchtete. Diese lautete, zum Thema Alltag einen Text zu schreiben. Ein Blatt A4 und 2 Stunden war die Zeitvorgabe. Achtung, fertig, los. Nur Hämmern, Tippen auf die Tasten, verzweifelte Seufzer waren zu hören und viele ratlose Gesichter zu sehen. Und jeder fremde Seufzer beruhigte meine Nerven und motiverte mein Hirn. Also alle kochen mit Wasser. Und meine Buchstaben formierten sich zu Wörter, die Wörter zu Sätzen, die Sätze zu einer Geschichte. Fertig. Wie soll ich es sagen. Mein Text 'Schlusslichter' wurde vom Teilnehmerkreis auf Platz eins gesetzt. Mein Herz jubelte und mein Verstand freute sich ungläubig. Aber noch mehr freute mich Barbaras Schlussbemerkung, direkt an mich gerichtet: «Arbeite weiter so, dann werde ich bald von dir hören.» Per Ende Jahr habe dann ich mein zweites Kurzgeschichtenbuch «Jeder tickt anders» herausgegeben.

Gruss aus Salzburg
MARKUS R-U-F
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