DIGITALGESCHICHTEN

Kennen Sie das blamable Gefühl, wenn man nach einem feinen Dîner beim bargeldlosen Zahlen den falschen Code eingibt? Na ja, beim ersten Mal ist es ok. Beim zweiten Mal wird es peinlich! Und beim dritten Mal fordert das kleine Gerät ultimativ den richtigen Code! Die Kellnerin lächelt zwar verständnisvoll, denkt aber: Geklaut? Im Minus? Bluffer? Anfänger? 

 

Ist mir passiert! Die erste Eingabe war gedankenloses Tippen: Habe ich mich vertippt? Der zweite Versuch war die Bestätigung: Nein, ich habe mich nicht vertippt. Und vor dem dritten Versuch herrschte Ratlosigkeit. Doch plötzlich hatte der Himmel Erbarmen und schickte die Erleuchtung: Du musstest das Passwort wechseln! Bingo! Aber, die zwei Fehlversuche bleiben wie eine Vorstrafe bestehen. Ich darf mir keinen Vertipper oder Aussetzer mehr leisten, sonst wird bei der nächsten Zahlung die Karte gesperrt, gefolgt von einem immensen bürokratischen Aufwand. 

 

Ein simpler Sicherheitshinweis «Wir haben Unregelmässigkeiten festgestellt. Bitte Passwort ändern!» hat mein schönes System durcheinandergebracht. Danke für den Vorschlag: «ed3me-osxG-sW», aber er hilft mir auch nicht wirklich. Wenn mir intelligente Sprachassistenten abgewöhnen, Telefonnummern zu merken, wie soll ich mir dann solche Passwörter merken?

 

Irgendwie fand ich mich gut mit meinen Passwörtern zurecht. Sie waren über Jahre eintrainiert. Und jetzt bringt mich so ein irrer Hacker in den Notstand. Wegen nichts! Seinen Frust möchte ich sehen, wenn er durch meine belanglosen EMails schnüffelt. In meinen Niederungen findet er keine Trüffel...

 

Zu meinem Trost. Ich bin nicht der Einzige, der mit seinen Passwörtern kämpft. Hunderte von Internetseiten geben Tipps für sichere Passwörter. Nicht nur mir, vor allem an Millionen von sorglosen Usern, die gemäss Passwort-Hitparade einfach «123456» oder den Vornamen des Partners verwenden: «Franz». Wie auch immer, ich muss mein Passwort ändern. Also steige ich ein in den Dialog:

 

Geben Sie bitte Ihr neues Passwort ein:

«burger»

Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen beinhalten

«vegi burger»

Das Passwort darf keine Leerzeichen enthalten

«vegiburger»

Das Passwort muss Grossbuchstaben enthalten

«VeGibURger»

Das Passwort muss mindestens eine Zahl enthalten

«2VeGibURger!!!»

Das Passwort darf keine Sonderzeichen enthalten

«2VeGibURger3Ausrufezeichen»

Entschuldigung, wählen Sie ein anderes Passwort, dieses wird schon benutzt!

 

In Zukunft wird alles anders, nicht unbedingt besser. Grosse IT-Unternehmen haben unsere Erinnerungsschwächen erkannt und tüfteln an neuen Möglichkeiten zum Einloggen: Sensorpillen, Schmuckstücke als Passwortspeicher, implantierte Chips. Ich bin mässig begeistert. Fingerprints oder Gesichtserkennung sind ja bereits gängige Verfahren geworden. Aber auch da heisst es bei Nichterkennung: «Bitte Code eingeben.» Voilà. An Passwörtern kommt man nicht vorbei. 

 

Also muss ich das Passwort-Dilemma lösen. Und zwar einfach und praktisch. Wenn ich mir vorstelle, dass sich in einer intelligenten, vernetzten Küche die Kühlschranktüre nicht öffnet, weil das System das Passwort verlangt, na dann viel Geduld! Für solche Fälle habe ich mir ein simples Passwort konstruiert: «Hw_IdKlma9K_gN!». Das bleibt mein Leben lang aktuell: «Hände weg_In diesem Kühlschrank lauern mehr als 9000 Kalorien_gute Nacht!».

Passwörter

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