DIGITALGESCHICHTEN

Zugegeben, in gewissen Sachen bin ich immer noch altmodisch. Zum Beispiel liebe ich es, meine Compact Camera in die Ferien mitzuschleppen, um die schönsten Augenblicke festzuhalten. Jede Aufnahme gibt mir das Gefühl, den Moment voll gelebt zu haben. Aber spätestens nachher, wenn ich die Fotos herunterlade und der Computer mich schadenfreudig anlächelt «Festplatte voll. Bitte Daten löschen.» kommt das böse Erwachen. Wohin mit den vielen Fotos? Sichten? Sortieren? Oder sogar Löschen? Nein danke, das mache ich dann später! Mit dieser Aufschiebetaktik sind meine Daten explodiert. Waren vor wenigen Jahren noch Festplatten mit MB und GB der Renner, ist heute TB Terabyte die neue Masseinheit. 1’000’000’000 KB! Und dieses TB ist auf meinem Computer bis zum Rand gefüllt!

Auf Menschen wie mich haben clevere und geschäftstüchtige Digitalunternehmen nur gewartet. Das Zauberwort heisst Wolke, oder 'Cloud' damit wir uns richtig verstehen. Ich frage mich, wer der Cloud den Namen 'Cloud' verpasst hat? Ein hübscher Name, der aber Millionen von Menschen ziemlich irreführt. Ich zum Beispiel denke bei Cloud an schlagrahmartige Cumulus-Wolken oder an rosa-gelb-rot verzaubernde Abendwolken. Verliebte verbinden Cloud mit Wolke sieben, für einige Eltern ist Cloud der Vorname ihres Kindes, für Geniesser ein Restaurant nahe den Wolken und ehrgeizige Sportler rennen in «on clouds» zu Höchstleistungen. Nur Schwarzmaler und Pessimist denken bei Cloud an bedrohliche Gewitterwolken, die beängstigende Gefühle auslösen und die Erde zerzausen. Oder an Wolken, die von Drohnen mit Amazonpaketen durchlöchert werden. Oder an Flugzeuge, die mit wolkenähnlichen Co2-Streifen ihre Flugbahn markieren.

 

Doch zurück von den Wolken zur Cloud. So richtig ins Grübeln komme ich, wenn ich mir die Cloud in Wirklichkeit vorstelle. Ich meine die Server-Türme, die in riesigen Hallen in der Grösse von Fussballfeldern stehen, abgeschirmt und bewacht wie Nationalbank-Gold. Maschinen, die sich in klimatisierten Räumen und kühlem Neonlicht aneinanderreihen, vollgestopft mit Programmen, künstlicher Intelligenz und ausgeklügelter IT-Elektronik. Und die vernetzt sind mit unzählig anderen Cloud-Bunkern auf der ganzen Welt. Und da hüpfen meine Daten von Server zu Server, bis sie schliesslich auf meinem Handy, Tablet oder Computer erscheinen. Mmmh.

 

Das Skurrile ist also: Wenn ich meiner Frau eine WhatsApp sende, dann kurvt es durch die halbe Welt bis es auf ihrem Handy «Bling» macht – im Zimmer nebenan. Oder wenn ich mir vorstelle, die Daten meines Nachbarn liegen neben den meinen auf dem gleichen Google-Server in San Francisco oder vielleicht Taiwan! Da braucht es doch nicht viel und schwupps landen meine Daten auf seinem Computer, oder umgekehrt. Um Himmels Willen, nur das nicht! Ich will seine privaten Dinge gar nicht erfahren, die erzählt er mir sowieso taufrisch über den Gartenzaun. 

 

Aber ich darf ja auch schlauer werden: Ich muss jetzt unbedingt auf dem Computer meine Ferienfotos ausmisten und Platz für meine wirklich vertraulichen Daten schaffen...

Wolke sieben

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