ALLTAGSGESCHICHTE

«Du Therese, ich habe einen erhalten!» Ziemlich laut posaunt Margrit die frohe Botschaft durch die gut besetzte Cafebar. «Einen mit wunderschönen Katzenbüseli. Und Ästen, so lustig geringelt wie ein Korkenzieher!». Dabei kreiselt sie ihre Hände sprialförmig nach oben.

«Oh schön!»

«Auch Tulpen und Osterglocken waren drin. Und alles wunderschön verpackt. Der muss ein Vermögen gekostet haben! Dabei weiss Jakob genau, dass ich einen Blumenstrauss im Laufe des Jahres mehr schätze. Aber dann ist sein Portemonnaie wie zugenäht.»

«Warum denn?»

«Er findet Blumensträusse seien das überflüssigste Geschenk. Teuer, drei Tage haltbar und wohin damit dann? So ist er halt. Weisst du, nach zweiundzwanzig Ehejahren gewöhnt man sich daran. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass sich eine Frau auch spontan mal eine Anerkennung wünscht. So weit denkt der nicht ...» Und nach einer Pause fügt sie frustiert hinzu: «... nicht mehr.»

«Ist aber schade!»

«Das Ja am Traualter sei Zeichen der Liebe genug. Aber sonst ist er ja ganz ordentlich und wir haben es schön zusammen.» Pause. «Lieber so als Gustav, der seiner Frau fast jeden Monat einen Strauss nach Hause bringt. Dort möchte ich mal hinter die Kulissen sehen, was der immer auf dem Kerbholz hat!»

«Aber gestern war doch Valentinstag.»

«Ja schon, aber dort ist fast jeden Monat Valentinstag! Das muss doch seine Frau misstrauisch machen.» 

«Aber so kannst du doch nicht denken!»

«Das letzte Mal hat er auch zwei Tage später gebeichtet, was er mit der Sekretärin verbockt hat! Oh, das hat Ärger gegeben.»

«Nein, sag recht.»

«Doch, aber das sei Schnee von gestern und erledigt.»

Therese räuspert sich verlegen.

«Du, Margrit, ich habe auch seit vielen Jahren von Josef wieder einmal einen Blumenstrauss zum Valentinstag erhalten...»

Valentinstag

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