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MARKUS RUF

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KOLUMNE

Bald dürfen wir wieder an der Uhr drehen. In welche Richtung schon wieder? Vor oder zurück? Eigentlich wollte ja niemand die Zeitumstellung. Doch plötzlich war sie da. Wir Schweizer haben uns den umliegenden Ländern angepasst. Mussten wir ja, es wäre ja auch eigenartig, wenn man mit dem Zug um 10:06 Uhr in Weinfelden abfährt und in Konstanz um 09:34 Uhr ankommt. Eine Stunde mehr Shoppen, mein Budget fände es übel.

Und jetzt ist wieder die Diskussion entbrannt. Jean-Claude Junker, der ehemalige Präsident der EU-Kommission, hat sozusagen als Abschiedsgeschenk das Ende der Zeitumstellung versprochen. Doch wie das funktionieren soll, das müssen dann andere herausfinden. Tatsache ist, ein Teil der Menschen will die Zeitumstellung abschaffen, weil sinnlos, aufwändig und unverträglich. Zu mühsam sei die Umstellung der Uhren, der Fahrplanwechsel, und wer zahlt diese nächtliche Zusatzstunde der Schichtarbeitenden? Auch die Auswirkungen auf den Menschen seien zu belastend. Müdigkeit, Kreislaufprobleme und Erschöpfung beeinträchtigen das Wohlbefinden. Kinder seien zappelig, können nicht mehr schlafen, werden aus dem Rhythmus geworfen. Ein wahrer Horror für die Eltern, schreiben diese auf ihren Blogs. Komisch nur, bei Griechenland-Ferien ist es kein Problem, die Uhr innerhalb zwei Wochen vor- und zurückzustellen, ohne in ein tiefes Loch zu fallen.
 

Lassen wir das. Viel beunruhigender ist, wie wir mit unserer Zeit umgehen! Die Uhr diktiert uns. Die Agenda ist prallvoll, die sozialen Medien treiben uns zur ständigen Aktivität, die Unterhaltungsindustrie überschüttet unsere freie Zeit und der Businessalltag lässt kaum mehr Zeit zum Atmen. Zeit ist Geld. Immer auf Achse! Schon die Kinder ticken nach Takt. Schule, Vorbereitungskurse, Sport, Hobbies und Instagram halten sie dauernd auf Trab. Wir haben gar keine Zeit für eine Zeitumstellung! Es ist zu mühsam und unrentabel, Körper, Geist und Seele auf den Sommer einzustellen. Eigentlich schade.

 

Also, mir geht die Sommerzeit nicht auf den Wecker. Im Gegenteil. Die langen, lauen Sommerabende am See oder im Garten finde ich bereichernd. Das müssen auch die Kühe verstehen. Auch das Unkraut in meinem Garten wird sich daran gewöhnen, dass es eine Stunde später ausgerupft wird. Aber das Problem wird sich von selbst lösen. Wenn wir weiterhin mit durchgedrücktem Gaspedal unser «me-first»-Denken vorantreiben, ist auch die individuelle Zeit nicht mehr fern. Jedem seine persönliche Zeit! Moderne Technologie sei Dank. Da kann ich bestimmen, wann und wieviel ich an der Uhr drehen will. Eine Stunde zurück, wenn ich länger schlafen will, eine Stunde vor, wenn ich Unannehmlichkeiten überhüpfen will. Wenn ich meinen Freund treffe, zeigt meine Uhr acht, seine aber fünf. Ich grüsse «Guten Morgen» und er «Guten Abend». Alles easy, aber vermutlich werden wir uns immer verpassen.

 

Aber zurück zum Thema. Ich hätte da eine Idee: Warum führen wir eigentlich nicht morgens die Winterzeit und nachmittags die Sommerzeit ein. Dann ist es früher hell und wird später dunkel. Das wäre doch ein typisch schweizerischer Kompromiss! Unbegreiflich, dass danoch niemand draufgekommen ist!

Vor oder zurück?