MARKUS R-U-F
MY LIFEBOOK

Hallo, da bin ich

Valencia Unterägeri Zug

ICH MUSS GEMÄSS STATISTIK der 5‘323‘267igste Schweizer gewesen sein, der das Licht der Welt erblickte. Einige Sekunden, vielleicht sogar Minuten, war ich unbestritten die Nummer 1 der Schweiz! Lange konnte es nicht gedauert haben, denn ich war ein typisches Baby-Boomer-Kind und die Geburtenrate entsprechend hoch. 15‘000 Geburten in jenem Jahr, 1‘100 pro Monat, 400 pro Tag, 12 pro Stunde, das heisst, alle 5 Minuten freute sich jemand über ihren Nachwuchs. 

 

«Wie soll denn der Junge heissen?» Eine Klosterfrau im St. Anna in Unterägeri schaute mir tief in die Augen, klickte die Nabelschnur durch strubbte mich in einer kleinen Blechwanne. Zuerst die Wärme, dann das grelle Licht und jetzt die kalte Dusche. Ich musste einfach weinen, schreien. Welch ein grässlicher Empfang auf dieser Welt. «Moritz!», sagte meine Mutter. «Moritz?», vorwurfsvoll und kopfschüttelnd schaute die Klosterfrau auf. Was sich die Leute alles ausdenken! «Es würde uns sehr freuen, wenn dem kleinen Gottes-Junge ein Name mit Gottes-Nähe gegeben würde,» meinte sie. Um ihren Hals baumelte ein abgenutzer Rosenkranz. Meine Mutter war zu erschöpft, um sich mit solchen Banalitäten herumzuschlagen. Was für eine Frage? Sie hat ja nicht irgend ein vorbestimmt göttliches Geschöpf, sondern einfach einen 3200g schweren Jungen für eine ganz normale Familie auf die Welt gebracht. «Also, wie soll der Junge heissen, Frau Ruf?», wiederholte die Klosterfrau. «Markus», und nach einigem Zögern, «Markus Paul.»

 

Währenddessen tigerte mein Vater im Vorzimmer hin und her. Schon sechs Stunden. Auf den Strassen draussen ist es ziemlich ruhig geworden. Der Kleine lässt sich aber Zeit. Zum x-ten Mal wollte er sich gerade einen abgestandenen Filterkaffee einschenken, als sich die Türe öffnete. Schwester Margrite trat mit gefalteten Händen in den kargen Warteraum und verkündete meinem Vater: «Gott sein Dank, es ist ein Junge! Gott hat es gut mit Ihnen gemeint! Er ist gesund und 3 Kilo 210 Gramm. Wir wünschen ihm ein langes begnadetes Leben.» und wendete ihren Blick Richtung Himmel. Meinem Vater war es im Moment ziemlich gleichgültig, wie lange mein Leben gehen würde, er wollte mich jetzt sehen, jetzt nach zwei Töchtern den Stammhalter in der Familie begrüssen. Ich war schon gesäubert und frisch verpackt, als mein Vater mich zum ersten Mal in den Arm nehmen konnte. Die Nabelschnur war weg und ich war klinisch rein, als wäre ich so auf die Welt gekommen. 

 

«So, jetzt sind wir komplett, Paul», sagte meine Mutter sichtlich stolz und nichts ahnend, dass da noch ein Nachzügler hinter den Sternen wartete. Es war ihr auch egal, dass der gleiche Monat bekannte Grössen wie Bill Gates, Karl-Heinz Rummenigge, Nicolas Sarkozy, Steve Jobs oder Heintje hervorbrachte.

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