BANKGESCHICHTEN

Antoine, der Weinbauer, ist unzufrieden. Noch bescheiden und unreif hängen seine Blauburgunder an den Stöcken. Die vielen Regentage haben ihr Wachstum gehemmt. Er weiss, kommen nicht noch zehn, zwanzig wärmende Sonnentage, dann wird seine Ernte endgültig zur Misere. Ohne Wärme werden seine Himmelsbeeri, wie er sie nennt, nie mehr den notwendigen Reifegrad schaffen.

Er ist in der Zwickmühle. Je länger er mit der Ernte und auf bessere Qualität wartet, desto grösser wird sein Risiko. Zerstörerische Pilzkrankheiten, stürmische Herbstnächte und ein erster Frost würden seine Arbeit endgültig vernichten. 

In seinem Kopf drehen sich wild die Untergangsszenarien. Er kennt den Ablauf: Schlechte Ernte, schlechte Verkäufe, tiefes Einkommen, Aus. Da ist es ihm ein schlechter Trost, dass sein krankhaft ehrgeiziger Nachbar mit den gleichen Problemen kämpft. Nur jenen im Wallis, denen ist die Natur viel besser gesinnt. Fast wie jedes Jahr prahlen sie bereits jetzt von einer Rekordernte.

Weingott Bacchus, der neben ihm behäbig auf der Bank sitzt, schüttelt nur den Kopf. Er versteht die Welt nicht mehr und noch weniger Antoine. Er weiss, Antoine ist ein notorischer Nörgeler und will immer mehr. Ein richtiger Weinbauer eben. Bacchus ist sich von seinen Untertanen vieles gewohnt. Er schweigt bis Antoine den Kopf dreht, um sich zu versichern, ob der Weingott überhaupt noch neben ihm sitzt. 

Langsam zupft sich Bacchus eine Traube vom Hut, schiebt sie in den Mund und murmelt: «Antoine, du kennst den Deal!». Antoine weiss, dass er sich verpockert hat. Letztes Jahr hat er zwanzig schlechte Tage gegen zwanzig sonnige Tage vom kommenden Jahr eingetauscht. Und jetzt versucht er verzweifelt, einige sonnige Tage vom übernächsten Jahr zu beziehen...

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